Geschichte

Mehr über Gemeinde, Mennoniten und den Branchweilerhof

Mennonitengemeinde Branchweilerhof

Geschichte unserer Gemeinde

Unsere Gemeinde ist seit über 300 Jahren auf dem Branchweilerhof in Neustadt ansässig. Begonnen hat es 1671, als sich aus der Schweiz vertriebene Mennoniten als Pächter hier niederließen. Nach elf Jahren, im Jahre 1682, war es ihnen möglich, den Branchweilerhof als Erbbestand zu übernehmen. Damals umfasste der Branchweilerhof noch das große Wohnhaus (das Spital, siehe unten im Kapitel über den Branchweilerhof), ein dazugehörendes Wirtschaftsgebäude, 100 Morgen Ackerland und 12 3/4 Morgen Weingärten. Eine Bedingung für die freie Ausübung ihrer Religion war jedoch, dass sie jegliche missionarische Tätigkeit zu unterlassen hatten.

Als Gründung der Gemeinde wird das Jahr 1683, das Jahr nach Übernahme des Branchweilerhofs in Erbbestand, angenommen. Seitdem gibt es auf unserem Hof eine mennonitische Gemeinde.

Heute zählt unsere Gemeinde etwa 30 Mitglieder. Wir feiern jeden Sonntag unseren Gottesdienst und treffen uns während der Woche in verschiedenen Gruppen: Hauskreis (ein Kreis Erwachsener, die sich zu Bibelarbeit und Austausch privat treffen), Seniorentreff und ein kleiner Gebetskreis sind unsere regelmäßigen Veranstaltungen, in denen wir uns und unserem Herrn auch unter der Woche begegnen und Gemeinschaft miteinander haben (siehe auch in den Terminen).

Jahre Mennonitengemeinde Branchweilerhof

Mitglieder

Gemeinschaft

Entstehung einer Freikirche

Die Mennoniten

Die Mennoniten sind eine evangelische Freikirche, die aus der Wiedertäuferbewegung zur Zeit der Reformation hervorgegangen ist. 1525 entstand in Zürich um den Reformator Zwingli ein Bibellesekreis, der nach Reformen für die Kirche suchte. Mitglied dieses Bibelkreises waren unter anderem Konrad Grebel und Felix Manz, die weitergehende Reformen suchten und ein Gemeinde-Vverständnis hatten, das nah am heutigen mennonitischen Verständnis war. Als der Rat der Stadt Zürich (und mit ihm auch Zwingli) ein Redeverbot für Konrad Grebel, Felix Manz und ihre Anhänger erließ, berieten sie sich im Gebet. Als Georg Blaurock, ein ehemaliger Mönch, nach dem Gebet um die wahre, echte christliche Taufe auf seine Erkenntnis und seinen Glauben bat, vollzog Grebel sie. Anschließend taufte Blaurock die übrigen Versammlungsteilnehmer. Dies war die Geburtsstunde der Täuferbewegung oder auch der Wiedertäufer, wie sie oft genannt wurden, weil die meisten Getauften damals bereits die Kindstaufe erhalten hatten und sich nun, als Erwachsene, auf ihren Glauben hin taufen ließen.

Die weitere Geschichte der Täuferbewegung ist eine Geschichte von Verfolgung, aber auch von tiefem Glauben. Trotz (oder gerade wegen) härtester Verfolgung breitete sich die Täuferbewegung rasch aus, vor allem in der Schweiz, Österreich, Mähren und Süddeutschland, hier unter anderem durch das „Schleitheimer Bekenntnis“ unter der Leitung von Michael Sattler, einem ehemaligen Prior des Benediktinerklosters St. Peter im Schwarzwald. Auch nach Norddeutschland und in die Niederlande wurde die Täuferbewegung getragen, vor allem durch Melchior Hoffmann.

Ein dunkles Kapitel dieser frühen Bewegung war die Übernahme der Stadt Münster im Jahr 1534. Hier hatten sich viele Täufer eingefunden, alle nicht täuferisch gesinnten Bewohner wurden aus der Stadt ausgewiesen. Über ein Jahr lang terrorisierten fanatische Schwärmer die Stadt, bis sie am 25. Juni 1535 von einem bischöflichen Heer im Sturm genommen wurde. Dieses wiederum nahm schreckliche Rache an den Einwohnern. All diese Ereignisse brachten viel Leid über die Gemeinschaft der Taufgesinnten, denn man machte keinen Unterschied zwischen den friedlichen Taufgesinnten und den radikalen Elementen.

Bis heute schaden die damaligen Ereignisse der Täuferbewegung. Die Täufer-Ältesten Obbe und Dirk Phillips aus Leeuwarden im niederländischen Friesland wandten sich scharf gegen diese Auswüchse und es gelang ihnen, die Täuferbewegung in den Niederlanden in eine ähnliche Richtung wie die Schweizer Brüder zu beeinflussen. Zum bedeutendsten Führer der Taufgesinnten in den Niederlanden wurde Menno Simons, ein katholischer Priester in Westfriesland. Nach vermehrtem Bibelstudium kam er zu dem Schluss, dass die Kindtaufe biblisch nicht zu begründen sei. Nach schweren inneren Kämpfen gab Menno sein Priesteramt auf und verließ am 30. Januar 1536 die katholische Kirche, ließ sich taufen und wurde Ältester der Gemeinde in Groningen.

Menno Simons unternahm weite Reisen durch Holland, Norddeutschland und bis nach Danzig. Wertvolle Schriften sind uns vom ihm erhalten. Seine ganze Kraft stellte er in den Dienst der Gemeinde. Schon ab 1545 nannte man seine Anhänger „Mennisten“, später ging der Name Mennoniten auf die ganze Glaubensgemeinschaft über.

Mennoniten bekennen sich zu dem Wahlspruch Menno Simons:  Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus (1. Kor. 3,11)

Wir sehen die Heilige Schrift als Offenbarung Gottes in Christus Jesus und stehen auf dem Boden des apostolischen Glaubensbekenntnisses . Einige grundlegende Merkmale kennzeichnen den täuferisch-mennonitischen Glauben:

1. Das Gemeindeprinzip nach dem Vorbild der apostolischen Gemeinden

2. Die Taufe auf das Bekenntnis des Glauben nach vorheriger Unterweisung

3. Die strenge Wahrhaftigkeit und damit die Ablehnung des Eides (Matth. 5,33-37)

4. Die Einheit von Lehre und Leben

5. Die Selbständigkeit jeder Gemeinde und volle Unabhängigkeit vom Staat

6. Die Friedfertigkeit.

Steine schreiben Geschichte

Der Branchweilerhof

Die Siedlung Branchweiler wurde vermutlich im 7. oder 8 Jahrhundert von den Franken gegründet. Der Branchweilerhof wird das erste Mal urkundlich im Jahre 1223 erwähnt: Conrad III., Herr von Scharfenberg und Bischhof von Speyer und Metz, übertrug seine Mühle in „Brunechenwilre“ den Kanonikern der Domkirche in Speyer zur Aufbesserung ihrer Renten. 1275 wurde dann der Bau eines Spitals für Kranke und Gebrechliche durch den Pfalzgrafen „Ludwig der Strenge“ genehmigt, das heute noch steht und von Mitgliedern der Gemeinde bewohnt wird.

Über Jahrhunderte hindurch unterstand das Spital dann den jeweiligen Kurfürsten.Am 23.09.1700 überschrieb Kurfürst Johann Willhelm den Neustadter Jesuiten das Spital samt allen Gütern, Freiheiten und Rechten. Nach Auflösung des Ordens fiel es 1773 zurück an den amtierenden Kurfürst Carl Theodor.

 

Um 1275, dem Baujahr des Spitals, wurde vermutlich auch die Kapelle erbaut, in der wir bis ins 21. Jahrhundert noch unseren Gottesdienst feierten. Ursprünglich war sie größer, das Hauptschiff wurde jedoch im 17. oder 18. Jahrhundert zu einem Wohnhaus (dem sogenannten Hirtenhaus) umgebaut, das 1957 abgerissen wurde. Heute findet unser Gemeindeleben im benachbarten Gebäude statt, das wir in Eigenregie ab 2012 ausgebaut haben. 

Lange Zeit lag der Branchweilerhof auf freiem Feld und bildete seit 1615 einen abgeschlossen Hof, der nur durch drei Eingänge betreten werden konnte: eine kleine Pforte im Westen und je ein großes Tor im Norden und im Süden. Ein Foto aus dem Jahr 1957 zeigt in der Umgebung des Hofs weithin noch freies Feld.

Inzwischen ist der Branchweilerhof Teil der Stadt Neustadt, umgeben von Straßen und Wohngebieten. Noch heute aber bildet der Hof eine Insel inmitten der Stadt, auch wenn er nicht mehr ausschließlich von Gemeindegliedern bewohnt wird.

Weitere Infos gibt es auch bei der Branchweilerhofgeschichte !